Wirtschaft - Das IHK-Magazin 03/2008
Superwise AG - Künstliche Intelligenz
Mit einer neuartigen Technologie namens „Apollo“ will die junge Firma Superwise AG Computern das selbstständige Denken beibringen.
Das ist Alltag in Unternehmen: Eine Flut von E-Mails schwappt täglich in die elektronischen Briefkästen der Mitarbeiter. Daraus bestimmte Informationen oder Meldungen herauszufiltern, ist bislang nur mit erheblichem Aufwand möglich – etwa über Stichwortsuche.
Völlig neuartige Möglichkeiten der automatischen Analyse und Auswertung von Dateien verspricht jetzt das junge Unternehmen Superwise Technologies AG aus Wolfratshausen. Eine Software namens „Apollo“ soll schwierige Such- und Rechercheaufgaben in Sekundenschnelle erledigen.
„Wir haben im Computer die Gehirnstrukturen des Menschen nachgebaut“, erläutert der Physiker Dr. Hans Geiger, Superwise-Mitgründer und führender Entwickler. Daher funktioniert die Software wie ein Mensch: Sie ist lernfähig, arbeitet intuitiv und hangelt sich über Assoziationen blitzschnell zur gewünschten Lösung. Selbstständig passt sie sich veränderten Situationen und Aufgabenstellungen an.
In ersten praktischen Anwendungen hat sich die "Apollo"-Technologie bereits bewährt. Superwise-Vorstand Dr. Ernst Pechtl schildert: "Wir hatten neulich einen Fall, da sollten wir für einen Auftraggeber aus 350000 E-Mails, die in fünf Jahren aufgelaufen waren, relevante Daten für einen Gerichtsprozess herausfiltern, ohne dass wir Suchbegriffe zur Verfügung hatten." Das klappte innerhalb von Sekunden. Und zwar unter Beachtung aller Persönlichkeits-Schutzrechte.
Doch gezielte Textrecherche ist nur ein Bereich, in denen die "Apollo"-Technologie offensichtlich nützlicher Pfadfinder sein kann. Denkbar sind viele weitere Lösungen zur intelligenten Analyse von Audio- und Bild- oder Videodateien. Zudem ist die Analyse von Texten, Sprachdokumenten und Bildern in einer einzigen Anwendung kombinierbar. "Das ist bisher weltweit einmalig", so der Superwise-Vorstand.
Einige Lösungen sind bereits fertig zur Anwendung. Zum Beispiel das „Eye-Phone“, das Superwise zur diesjährigen Fachmesse „Systems“ vorstellte.
Mit „Apollo“ kann so das kleine Handy jetzt zum großen Archiv werden: Es erkennt auf selbst aufgenommenen Digitalfotos einzelne Gebäude, Gegenstände, Tiere oder Pflanzen und liefert dazu auf Knopfdruck nähere Informationen. Pechtl ist überzeugt: „Das ‚Eye-Phone‘ wird den Zugang zum Wissen komplett verändern.“
Was früher in Bibliotheken stand, wird bald über GPS und später über Galileo-Satellitennavigation einfach auf Basis einer Fotoaufnahme mobil abrufbar sein. Bereits Anfang 2008 will Superwise das „Eye-Phone“ als Prototyp vorstellen und dann gemeinsam mit industriellen Partnern auf den Markt bringen.
Überzeugt hat das bereits die Jury des „Galileo Masters 2007“: Superwise gehörte zu den Preisträgern des diesjährigen Ideenwettbewerbs der europäischen Satellitennavigations-Branche.
Ein ebenso vielversprechendes Feld für künftige Anwendungen von „Apollo“ ist laut Superwise die Optimierung von Wartungsintervallen in industriellen Großanlagen. Über eine Signalerkennung per Geräusch oder Vibration sollen Anlagen künftig selbst den richtigen Zeitpunkt für eine Reparatur oder Überholung melden können. Pechtl: „Auch hier gibt es bereits anwendungsfähige Lösungen.“
Zudem ist der Einsatz von „Apollo“ denkbar bei der Überwachung von Hausgeräten bis hin zur Unterstützung von hilfsbedürftigen Personen. Zum Beispiel könnte ein sogenannter „Sensor Aid“ registrieren, wenn ein Notfall – etwa ein Sturz mit Verletzung – eintritt. Das Gerät ruft selbstständig per Signal Hilfe herbei. Oder es erinnert Alzheimer-Patienten, ihre Medikamente rechtzeitig zu nehmen.
Ein weiteres Feld ist die Klimaforschung in Kooperation mit dem DLR in Oberpfaffenhofen: Künftig sollen dank „Apollo-Technik“ verlässlichere Vorhersagen möglich sein, wann und wo in Europa Ozonlöcher mit verstärkter UV-Strahlung auftreten.
Für Pechtl ist das keine Zukunftsmusik: „Wissenschaftler haben bereits über 15 Jahre lang Bilder von solchen Naturphänomenen gesammelt. Jetzt geht es um die systematische Auswertung und die Entwicklung eines adäquaten Vorhersagemodells.“ Bei diesem Projekt arbeitet Superwise mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt zusammen. Ers te Ergebnisse erwartet Pechtl bereits 2008. Weil die Technologie sich für verschiedenste Anwendungen in unterschiedlichen Branchen anpassen lässt, sieht der Superwise-Vorstand ungeahnte Marktchancen: „Es gibt schon mehr als 500 mögliche Anwender.“
Die neuen Produkte in den Markt bringen, das will Superwise anderen Firmen überlassen. „Wir sind vor allem eine Denkfabrik“, erläutert Pechtl. Geld verdienen will das Unternehmen hauptsächlich mit der Vergabe von Lizenzen.
Was kostet so eine Lizenz? „Das ist sicher abhängig von der Zahl der Transaktionen und dem Grad der Nutzung“, meint Pechtl und versichert: „Es ist auch für junge Unternehmen erschwinglich.“
Die Anfang 2007 gegründete Superwise AG hat die nächsten Schritte in der Firmenentwicklung bereits geplant. Zunächst soll zur neuen Technologie ein Kompetenzzentrum in Oberbayern aufgebaut werden. Die Idee ist, hier junge Unternehmen anzusiedeln, die in neue Geschäftsfelder investieren.
Michaela Geiger

