Wolfratshauser SZ - 31.10.2007
Der klügere Computer
Die Superwise AG arbeitet an künstlicher Intelligenz
Wenn Computer etwas suchen, gehen sie bisher ziemlich ungeschickt vor. Sie wühlen sich stur durch riesige Datenmengen, finden dabei doch nur das, was sie eigentlich schon kennen: Genau das eine Wort zum Beispiel, das der Benutzer in die Internet-Suchmaschine getippt hat. Das wollen Hans Geiger und Ernst Pechtl ändern. Die Gründer der Wolfratshauser Firma ,, Superwise Technologies " wollen Computer dazu bringen, dass sie Dinge erkennen, die nicht völlig mit dem bereits Bekannten identisch sind. Eine „fortgeschrittene Form künstlicher Intelligenz" nennt Pechtl das, was die Firma mit ihrer ,,Apollo-Technologie" verwirkliche. Für die hat das Unternehmen gerade den ersten Preis der ,,European Satellite Navigation Competition 2007" erhalten, bei der es um Anwendungen für das künftige Satelliten-Navigationssystem Galileo geht. Dass dessen Zukunft in den Sternen steht, stört die Firma nicht, denn die Idee funktioniere auch mit GPS.
Im Kern geht es dabei um Digitalkameras, mit denen die Nutzer das aufnehmen, was sie interessiert. Aus dem Bild und mit Hilfe des per Satellitenortung ermittelten Standorts erkennt die Software das Dargestellte und blendet zugehörige Informationen ein: die Geschichte eines Hauses etwa, die Höhe eines Berges oder gar den Namen einer Person. Bei all dem ist es nicht nötig, dass der Computer genau dieses Bild aus genau dieser Perspektive schon einmal gesehen hat. Die Komponenten für eine marktreife Lösung habe man beisammen, es fehle nur noch die Umsetzung, sagt Pechtl.
Doch die über 25 Jahre hinweg von Geiger entwickelte Software soll viel mehr erkennen als Bilder: Aus gesummten Melodien soll sie den Titel des Lieds ermitteln oder Bohrköpfen ablauschen, wann sie gewartet werden müssen. Natürlich sei das Programm auch für Sicherheitsanwendungen interessant, sagt Pechtl. So könne man damit Personen identifizieren oder aus Mitarbeiter-Daten von Unternehmen ,,abweichende Biographien" von eventuellen Straftätern filtern. Die Innovation liege darin, dass der Computer über diese Bilder, Töne und Menschen zuvor nichts weiß und sich sein Wissen durch eigenständige Datenlektüre selbst aneignet.
Inklusive Geigers Arbeit stecken in dem Programm ,,250 Mannjahre und 20 Millionen Euro" an Investitionen von verschiedenen Seiten, erklärt Pechtl. Die Patente lägen aber alle bei der Anfang 2007 gegründeten Firma Superwise. Demnächst wollen die beiden Hauptaktionäre und ihre sechs Mitarbeiter einen amerikanischen Minderheitsaktionär an Bord holen und eine Tochter für den US-Markt gründen. Für Wolfratshausen haben sie besondere Pläne, die sie an diesem Mittwoch von 18.30 Uhr an im Krämmel-Forum vorstellen: Ihre Technik soll den Kern eines Technologiezentrums bilden, in dem andere, möglichst einheimische Betriebe als Lizenznehmer Apollo-Anwendungen entwickeln und vermarkten.
Von Matthias Köpf
